| Eintrag | Sehr geehrter Herr Latotzky,
ihre persönliche Geschichte und natürlich die Ihrer Mutter, bedrücken mich sehr. Vieles kann ich nicht nachempfinden, weil mir die persönlichen Erlebnisse fehlen, aber einiges schon, denn mein Vater wurde Silvester 1960 vom MfS verhaftet und ich war nur 5 Meter vom Ort der Verhaftung entfernt. Im Frühjahr 1961 folgte die Verurteilung zu einer mehrjährigen Zuchthausstrafe, die mein Väterchen nicht vollständig verbüßen "konnte", weil sich sein Gesundheitszustand lebensbedrohlich verschlechterte. Es folgten nach der Entlassung Arbeitsplatzzuweisung und und und. Wenige Jahre später (1972) wurde er, weil er nicht "ausreisen" wollte und konnte, denn er war doch noch Vater, obwohl wir 1965 adoptiert wurden und er per Gerichtsurteil und Strafandrohung gezwungen war, jeden Kontakt zu uns, seinen Kindern, zu unterlassen (eine Annäherung war bis auf 500 m noch "machbar"),zu einer 2 jährigen Gefängnisstrafe verurteilt ("wegen asozialen Verhalten"). 1975 wurde er "ausgereist".
Als ich mich 1989 für eine andere Arbeitstelle bewarb, schrieb die HA II/6 des MfS an die HA XX/10:
"Zu diesem Sachverhalt ist zu beachten, daß es sich bei dem leiblichen Vater des KAMPA, Klaus um einen ehemaligen DDR-Bürger handelt, der 1960 in der DDR wegen Spionage für einen BRD-Geheimdienst verurteilt wurde ...".
1991 wurden wir, außerhablb des MfS, welches meinem Vater, Bruder und mich im SOV "Stoppel" zusammen "abwehrmäßig bearbeiteten", wieder Vater und seine Kinder.
Er war für mich (innnerlich) der "verbotene Vater", aber VATER und nicht der mir vermittelte "Verräter" an der "Sache".
Wir haben einige Berühungspunkte, die uns als KINDER betrafen und mitprägten.
Klaus Kampa |